Schaeffler streicht 3.460 Stellen in Europa und schließt vier deutsche Werke
Der Autozulieferer baut bis 2028 rund 2.660 Stellen in Deutschland ab. Werke in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach sollen schließen. Beschäftigte sollen zudem auf einen Teil ihres Gehalts verzichten.
Mit künstlicher Intelligenz erarbeiteter Artikel

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach hat am Dienstag ein weiteres Sparprogramm angekündigt. In Europa fallen netto 3.460 Stellen weg. Rund 2.660 davon betreffen Deutschland und rund 800 weitere Länder der Region. Das Unternehmen will die Maßnahmen überwiegend 2027 und 2028 umsetzen. Ab 2030 soll das Programm das Ergebnis jährlich um rund 300 Millionen Euro verbessern. Die Einmalkosten beziffert Schaeffler auf rund 480 Millionen Euro. Den überwiegenden Teil will der Konzern noch 2026 als Restrukturierungsrückstellung verbuchen.
Diese Standorte sind betroffen
Insgesamt sind 16 europäische Standorte vom Abbau betroffen. Fünf davon sollen perspektivisch schließen. In Deutschland sind das die Standorte Dortmund und Morbach mit zusammen rund 590 Beschäftigten. Dort werden Produkte für Verbrennungsmotoren gefertigt. Zudem stellt Schaeffler die Aktivitäten in Berlin ein, wo rund 270 Menschen arbeiten. Der Standort Schwalbach mit rund 385 Beschäftigten wird aufgegeben. Ein Großteil der Belegschaft soll ins Werk nach Frankfurt wechseln und rund 190 Stellen fallen weg. Im belgischen Herstal schließt ein fünftes Werk.
Rund die Hälfte der gestrichenen Stellen betrifft die Produktion. Etwa 30 Prozent entfallen auf Forschung und Entwicklung. Der Rest verteilt sich auf weitere Funktionsbereiche. Betroffen sind also nicht nur Fabrikbeschäftigte, sondern auch Ingenieure und Entwickler. Am Standort Höchstadt soll zudem der Werkzeugbau enden. An den Standorten Erlangen und Schweinfurt sind Anpassungen im Sondermaschinenbau geplant.
Schon die zweite Runde
Es ist bereits das zweite große Programm innerhalb von zwei Jahren. Im November 2024 hatte Schaeffler den Abbau von 4.700 Stellen angekündigt. Bis Ende September 2026 sind davon 3.715 Stellen weg gefallen. Dazu haben rund 1.800 Beschäftigte Altersteilzeitverträge unterschrieben. Rechnet man alle Programme zusammen, baut Schaeffler rund 18 Prozent seiner deutschen Arbeitsplätze ab.
Die deutsche Stammbelegschaft umfasste zum 30. September 2026 genau 31.957 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das neue Programm allein entspricht rund acht Prozent dieser Stellen. Der Konzern begründet den Schritt mit der anhaltenden Krise der europäischen Automobilindustrie. Genannt werden zudem überdurchschnittlich hohe Personalkosten pro Kopf in Deutschland und eine zu komplexe Organisation mit zu vielen Führungsebenen.
Gehaltsverzicht mitten in der Tarifrunde
Neu ist ein sogenannter Solidaritätsbeitrag. Schaeffler will mit den Beschäftigten über einen Verzicht auf einen Teil des Gehalts sprechen. Das soll über alle Hierarchieebenen hinweg gelten und beim Vorstand beginnen.
Der Zeitpunkt ist heikel. Die IG Metall steht am Anfang ihrer Tarifverhandlungen und fordert höhere Löhne. Thomas Höhn von der IG Metall kritisierte, bei Schaeffler folge ein Abbauprogramm auf das nächste, noch bevor die Folgen des vorherigen bewältigt seien. Er nannte das kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.
Was das für den Arbeitsmarkt bedeutet
Für Beschäftigte der betroffenen Werke beginnt jetzt eine Phase der Unsicherheit. Umsetzung und Verhandlungen laufen überwiegend 2027 und 2028. Versetzungsangebote hat Schaeffler bislang nur für Schwalbach konkret benannt. Wer in Dortmund, Morbach oder Berlin arbeitet, muss abwarten, welche Produktlinien wegfallen und wohin Aufträge verlagert werden.
Auch für Arbeitsuchende in den Regionen ändert sich etwas. Rund 1.100 direkt vom Werksaus bedrohte Arbeitsplätze konzentrieren sich auf vier Städte. Für qualifizierte Kräfte aus Produktion und Entwicklung wächst dort das Angebot an Bewerbungen. Zugleich zeigt der Fall, wo die Nachfrage schrumpft. Der Zulieferer Schaeffler ist ein wichtiger Baustein der deutschen Automobilkette. Wer in dieser Branche arbeitet, sollte weitere Programme dieser Art einplanen. Zu beobachten ist nun, ob Tarifrunde und Betriebsräte den Gehaltsverzicht blockieren und ob die Konkurrenz ähnliche Schritte ankündigt.
Quellen